Partizipation

Partizipation im Kinderyoga bedeutet, dass Kinder aktiv mitentscheiden können und ihre Ideen und Bedürfnisse in die Stunden eingebracht werden, um ihr Selbstwertgefühl, ihre Selbstwirksamkeit und ihre sozialen Kompetenzen zu stärken. Dies geschieht durch die gemeinsame Gestaltung von wichtigen Aspekten wie den Ablauf, die Übungsauswahl, die Raumgestaltung oder die Themen der Stunden. Die Haltung der Erwachsenen ist hierbei entscheidend: Sie müssen aufmerksam zuhören, Kinder ernst nehmen und sie wertschätzend begleiten.

Vorteile von Partizipation

  • Stärkung des Selbstbewusstseins: wenn Kinder erfahren, dass ihre Meinung zählt und ernst genommen wird, stärkt das ihr Selbstbewusstsein.
  • Erhöhung der Selbstwirksamkeit: sie erleben, dass sie etwas bewirken können und wie ihre Handlungen Auswirkungen haben.
  • Verbesserung sozialer Kompetenzen: durch das gemeinsame Entscheidungsfinden lernen Kinder, zuzuhören, Kompromisse zu finden und Rücksicht zu nehmen.
  • Höhere Motivation und Freunde: Kinder sind eher motiviert und haben mehr Freunde an der Aktivität, wenn sie mitgestalten können.

Reflexionsfragen: „Dialogische Haltung“

Der dänische Familientherapeut Jesper Juul empfiehlt Erwachsenen, sich im Umgang mit Kindern immer wieder zu fragen, wie sie ihrer besten erwachsenen Freundin oder ihrem besten erwachsenen Freund in einer vergleichbaren Situation begegnen würden. Partizipation verlangt eine gleichwertige, eine symmetrische

Kommunikation, einen „Dialog“ zwischen Erwachsenen und Kindern. Voraussetzung dafür ist eine „dialogische Haltung“ der Erwachsenen.

Überprüfen Sie sich selbst…

  • Sind Sie davon überzeugt, dass jede und jeder etwas zu sagen hat? Sind Sie interessiert und neugierig auf das, was die Kinder beizutragen haben? Begegnen Sie ihnen eher fragend als wissend? Nehmen Sie ihre Beiträge ernst?
  • Hören Sie den Kindern aufmerksam zu? Wenden Sie sich ihnen dabei körperlich zu? Suchen Sie Blickkontakt? Lassen Sie die Kinder ausreden, auch wenn sie abweichen, nicht gleich zum Punkt kommen? Sprechen Sie es ehrlich aus, wenn es, aus welchen Gründen auch immer, gerade nicht möglich ist, sich auf das Gespräch einzulassen: „Ich kann die jetzt nicht zuhören. Kannst du warten, bis ich hiermit fertig bin?“
  • Schwingen Sie mit? Lassen Sie sich ein? Versetzen Sie sich hinein, gleichsam empathisch? Geben Sie den Gefühlen oder Gedanken der Kinder eine Sprache? Nehmen Sie ihre Ausdrucksformen an, auch wenn die Grenzen zwischen Realität und Vorstellung verschwimmen? Begegnen Sie ihnen respektvoll, mit dem Gefühl für den feinen Unterschied zwischen Nähe und Zu-nahe-Treten?
  • Haben Sie die Geduld, den eigenen Wissensvorsprung zurück und eigene Bewertungen in der Schwebe zu halten? Haben Sie die Bereitschaft, das eigene Vorwissen ohne Besserwisserei zur Verfügung zu stellen? Haben Sie die Selbstsicherheit, eigene Ungewissheiten einzugestehen: „Das weiß ich auch nicht, aber wir können gemeinsam versuchen, es heraus zu bekommen.“

Quelle: Hansen, R. (2003): Die Kinderstube der Demokratie